An der Saale hellem Strande...


... ist auch sagenhaftes passiert

Brückensage IV


Die Muttergottes von Bad Kösen
(Dr. Karl Schütze, Bad Kösen)

Zu Kösen auf der Brücken
Da steht ein hohler Stein,
Da war einst Mutter Maria
Mit dem Jesuskindlein drein.

Sie stand auf dem Brückenrande,
Zur Straßen hingewandt
Und winkte Heil und Segen
Mit mild erhobener Hand.

Vor vielen hundert Jahren
Da hat ein frommer Mann,
Ein Abt vom nahen Kloster
Sie in Stein getan.

Doch Stürme, rauhe Stürme,
Die fegten durch das Land,
Und auch die Gottesmutter
Brach eines Landsknechts Hand

Und drunten, tief im Wasser,
Ruht sie seit jenem Tag,
Die Wellen plätschern drüber
Dem stillen Meere nach.

Doch nachts im Mondenscheine
Entsteigt sie den Flutengrab
Und segnet Berg und Fluren
Den Fluß hinauf und hinab.

Und wo ein armes Herze
In stiller Liebe glüht,
Löst sie in milde Tränen
Ein schmerzenreich Gemüt.


Quelle:
Bad Kösen - Heimatliche Geschichtsbilder, herausgegeben vom Magistrat der Stadt Bad Kösen 1930